Fachbericht10/16/2019

Source: ISSUE N°15

XBRL kommt 2020

Seien Sie vorbereitet

Die Diskussion über ein einheitliches elektronisches Format für die Unternehmensberichtserstattung währt seit 2013. Mittels der EU-Transparenzrichtlinie wurde die ESMA dazu aufgerufen, ein solches festzulegen. In Bezug auf bestehende Technologieoptionen und die ausserhalb der EU gelebte Praxis stand vor allem XBRL zur Disposition. Im Jahr 2020 wird XBRL für alle in der EU börsennotierte Unternehmen Realität. Gute Vorbereitung wird empfohlen. Von Prof. (FH) Mag. Monika Kovarova-Simecek

Financial Reporting ist gegenwärtig durch zahlreiche Systembrüche entlang der Data Supply Chain geprägt. Das macht nicht nur die Berichterstattung aufwändig und ineffizient, sondern birgt auch zahlreiche Fehlerpotenziale. So stellt sich die Lage zumindest in den grössten Teilen Europas dar, wo die Anwendung eines einheitlichen und maschinenlesbaren Berichtsformats noch nicht gesetzlich vorgesehen ist. Ausnahmen wie die Übermittlung der E-Bilanz in Deutschland waren ein guter und wichtiger Vorstoss, als Insellösungen allerdings unbefriedigend, zumal digitale Finanzberichterstattung nur bei einer ganzheitlichen Lösung ihre Wirkung entfalten kann. 

Die EU hat (spät aber doch) mit der Transparenzrichtlinie (2013/50/EU) eine Initiative gestartet, die eine Verbesserung der Situation für alle Beteiligten herbeiführen soll. Mit der Idee, dass «[ein] harmonisiertes elektronisches Format (…) die Berichterstattung vereinfachen sowie die Zugänglichkeit, Analyse und Vergleichbarkeit von Jahresfinanzberichten erleichtern [würde]», sieht sie das ESEF (European Single Electronic Format) mit Wirkung vom 1. Januar 2020 für alle Emittenten, die an einem
geregelten Markt in der EU gehandelt werden, verpflichtend vor.

Mit der Ausarbeitung des technischen Regulierungsstandards (RTS) und der Festlegung eines konkreten Berichtsformats wurde die ESMA (European Securities and Markets Authority) beauftragt.Diese definierte unter Einbeziehung der nationalen Finanzmarktaufsichtsbehörden und Unternehmen iXBRL (Inline eXtended Business Reporting Language) als das künftig anzuwendende Format. Damit geht die ESMA mit den Entwicklungen in den USA konform, wo die SEC mit 2020 auch einen Wechsel von XBRL auf iXBRL vorsieht, um die Nutzerfreundlichkeit des Formats zu verbessern.

Dem finalen Beschluss ging die Begutachtung möglicher Technologien, auch des bereits im Gesetzestext vorgeschlagenen XBRL-Formats, voraus. Das erste Gutachten, das auch eine Kosten-NutzenAnalyse inkludierte, veröffentlichte die ESMA im Dezember 2016. Im Juni 2017 wurden Emittenten und Softwareunternehmen in einem Call for Volunteers dazu aufgefordert, am Field Test der ESMA teilzunehmen. Dieser umfasste die Überleitung des Jahresabschlusses in iXBRL im Rahmen mehrerer Workshops. Infolge der Field Tests veröffentlichte die ESMA für Emittenten ein Handbuch mit detaillierten Anweisungen, das die Implementierung von XBRL erleichtern soll. Zeitgleich wurde auch die neue ESEF-Website gelauncht, auf der auch die neueste Version des Reporting Manual nachzulesen ist.

Themen, die die ESMA in diesem Kontext beschäftigen, könnten durchaus als Indikator für die nächsten Entwicklungen gelten. Das sind vor allem Fragen der Berichtsqualität (in welcher Form soll die Validität der als iXBRL übermittelten Berichte geprüft werden), der Komplexität (wie kann die Situation für Foreign Private Issuer, die in den USA und in der EU berichten müssen, erleichtert werden) und nicht zuletzt des Gültigkeitsbereichs (soll die elektronische Berichterstattung auf Einzelabschlüsse ausgeweitet werden).

Aus der Perspektive des Unternehmens bedeutet die Umsetzung der Richtlinie auf den ersten Blick vorwiegend einen zusätzlichen Aufwand. Die Vorteile oder gar die Notwendigkeit der Datenaufbereitung in dieser Form scheinen sich nicht so leicht zu erschliessen. Das Prinzip ist jedoch einfach. Wenn wir Daten im Sinne der KI maschinell verarbeiten wollen, müssen wir die Daten erst in eine Form bringen, die Maschinen auch lesen können. Nichts anderes ist XBRL – es macht die Informationen eines Jahresabschlusses für Sie und für eine Maschine lesbar.

Der erste Eindruck ist aber nicht ganz falsch, denn die Etablierung von XBRL benötigt in der Tat einige Ressourcen und ausreichend Vorlaufzeit. Grundsätzlich ist das Thema an der Schnittstelle zwischen Accounting, Investor Relations und IT angesiedelt.
Das lässt erahnen, dass das Projekt ein interdisziplinäres Team erfordert, das über IT- bzw. technische Expertise, IFRS- bzw. Taxonomie- und TaggingExpertise sowie Projektmanagementerfahrung verfügen sollte.

Für die Umsetzung sollte rund ein Jahr eingeplant werden. Dabei wird im ersten Schritt die relevante Taxonomie ausgewählt. Eine Taxonomie stellt den Rahmen dar, entlang dessen die Werte des Jahresabschlusses beschrieben bzw. getaggt werden. Die ESEF-Taxonomie wurde im März 2019 von der ESMA veröffentlich und ist unter esma.europa.eu abrufbar. Im zweiten Schritt werden die Werte, Tabellen und Textblöcke des Finanzberichts entlang dieser Taxonomie getaggt, um im dritten Schritt die eigentliche XBRL-Datei zu erstellen. Diese sollte vor der Veröffentlichung noch geprüft werden. 

Das stellt einmalig bestimmt einen nicht zu unterschätzenden Aufwand dar. Das bedeutet in Folge aber auch, dass Unternehmen nicht mehr eine Vielzahl von (redundanten) Datenbanken pflegen und sie mehrfach mit Daten bespielen müssen und dass die ausgegebenen Formate (PDF, HTML, XML etc.) auf nur einer Plattform basieren würden, wodurch zielgruppenspezifische Dateien (z.B. Geschäftsberichte, Key Facts, aber auch interne Controlling-Reports) schnell und ohne Abweichungen erstellt werden könnten. Und das hört sich schon sehr gut an. 

Prof. (FH) Mag. Monika Kovarova-Simecek

leitet den Studiengang Wirtschafts- und Finanzkommunikation an der FH St. Pölten.
Zu ihren Themenschwerpunkten zählen Digitale Finanzkommunikation und Financial Literacy. Sie ist Initiatorin des Österreichischen Symposiums für Wirtschafts- und Finanzkommunikation.