Fachbericht2/2/2021

Corporate Reporting Monitor

Schlüsselerkenntnisse

erstellt in Zusammenarbeit mit dem Center for Corporate Reporting

Über Corporate Reporting Monitor

Mit dem Corporate Reporting Monitor lancierte das Center for Corporate Reporting (CCR) im Jahr 2019 die erste wiederkehrende internationale Studie rund um die Unternehmensberichterstattung.

Die Studie ist als Kompass für strategische Entwicklungen, Trends und für das Benchmarking konzipiert. Sie entsteht in Zusammenarbeit mit dem Center for Research in Financial Communication an der Universität Leipzig sowie der FH St. Pölten.

Als Studienpartner publizieren wir folgende Schlüsselerkenntnisse und Einschätzungen exklusiv. Wir danken dem CCR für die Zusammenarbeit und die Trendeinschätzungen. 

1. Schlüsselerkenntnis: ESMA-Anforderungen

Frage: Wie setzen Sie die iXBRL/XHTML-Berichterstattungsanforderung der ESMA ab 2020 um?

Trendeinschätzung CCR

Die neuen Anforderungen der ESMA (EU) an eine Berichterstattung im XBRL-Format sind für die Schweiz zwar nicht bindend, dennoch ist Druck seitens der internationalen Peers und der institutionellen Investoren zu erwarten. Es zeigt sich, dass Schweizer Unternehmen zwecks Vergleichbarkeit vermehrt auf freiwilliger Basis einen XBRL-Bericht erstellen. Gleichzeitig legen die Resultate der Studie nahe, dass einige Unternehmen die Dringlichkeit der XBRL-Berichterstattung noch nicht erkannt haben – knapp ein Viertel beabsichtigt eine Umsetzung, hat aber über das Vorgehen noch nicht entschieden.

Kommentar MDD

Aktuell gibt es für Investoren noch keine schweizweite XBRL-Datenbank. Für in der Schweiz kotierte Unternehmen – vor allem Small- und Mid-Caps – ergibt sich dadurch im internationalen Vergleich ein klarer Wettbewerbsnachteil. In den USA und in der EU wird den Investoren eine zentrale Datenbank mit allen Informationen (XBRL-Daten) zur Verfügung gestellt. Diese erlaubt es Investoren, schnellere, breitere und tiefere Analysen durchzuführen. Sind Schweizer Unternehmen in keiner XBRL-Datenbank, sind sie für internationale Investoren auch nicht auffindbar. Die einzige Lösung dafür besteht aktuell nur in einer Doppelkotierung. Unsere Mitarbeiterin Sabine Prodan, Co-Präsidentin von XBRL Schweiz, setzt sich dafür ein, bald eine zufriedenstellende Lösung für Small- und Mid-Caps zu finden.

Erkenntnis MDD

Für Schweizer Unternehmen mit Doppelkotierungen an Börsen mit heutiger oder künftiger iXBRL-Pflicht ist es zentral, dass Schweizer Aufsichtsbehörden – sollten sie neue digitale Formate einführen – auf das etablierte iXBRL-Format setzen. Dies würde den Aufwand für Unternehmen entscheidend reduzieren.

Handlungsempfehlung MDD

Die Erfahrung unserer Kunden mit XBRL-Pflicht zeigt, dass eine vollständige Implementierung dieses Publikationsformats in den Erstellungsprozess des Finanzberichts ein zentraler Erfolgsfaktor für die Qualität der iXBRL-Filings ist. Die MDD Plattform ermöglicht seit 10 Jahren auch dieses Publikationsformat jederzeit im Prozess zu generieren und zu prüfen. Setzen Sie frühzeitig auf dieses Format und verschaffen Sie sich dadurch einen klaren Wettbewerbsvorteil.

XBRL, iXBRL, ESEF kurz erklärt

XBRL ist ein maschinenlesbarer Standard für Finanz- und Nachhaltigkeitsdaten. XBRL basiert auf XML und wird als Standard weltweit für die Abbildung von Meldeanforderungen und die digitale Berichterstattung verwendet. iXBRL sind in HTML (Website) eingebundene XBRL-Fragmente. Dadurch werden die XBRL-Daten sowohl für Mensch als auch für Maschinen lesbar. ESEF ist ein EU-einheitliches elektronisches Berichtsformat, das von der europäischen Börsenaufsicht gefordert wird. ESEF basiert auf dem iXBRL-Standard.

2. Schlüsselerkenntnis: Format-Logik

Frage: Was ist am ehesten die «Format-Logik» bei der Erstellung Ihres Geschäftsberichts?

Trendeinschätzung CCR

Nur noch ein Fünftel der Unternehmen wählt bei der Erstellung des Geschäftsberichts einen Print-first-Ansatz. Stattdessen gewinnt der Online-first-Ansatz zunehmend an Bedeutung und hat inzwischen die gleiche Zahl an Befürwortern erreicht. Das PDF bleibt weiterhin das dominante Publikationsformat.

Wagt man einen Blick in die Zukunft, so dürfte der Stakeholder-Report weiter an Bedeutung gewinnen. Heisst: der reine Fokus auf den Kapitalmarkt gehört der Vergangenheit an, und die diversen Zielgruppen sowie deren Informationsbedürfnisse werden gezielt angesprochen. Die Studie zeigt, dass Unternehmen vermehrt den Dialog mit ihren Stakeholdern über digitale Kanäle pflegen (z.B. Social-Media-Plattformen oder sogenannte «Teaserpages» beim Online-Report), um die verschiedenen Stakeholder zielgenau adressieren zu können.

Kommentar MDD

Als entscheidender Erfolgsfaktor für den Mehrwert von Online-Reports ist deren berichts- und publikationsübergreifende Verlinkung. Leser sollen intuitiv in Themenfelder eintauchen können, unabhängig davon, in welchem Bericht oder auf welcher Webseite diese veröffentlicht wurden. In der Fachsprache wird dafür der Begriff «User Journey» verwendet.

Erkenntnis MDD

Es gilt künftig auf digitale Formate wie Online-Reports und iXBRL-Formate zu setzen mit vielseitigen Vorteilen für Leser und Verfasser von Berichten. Wir sind überzeugt, dass das aktuell sehr verbreitete und teilweise auch intelligent verlinkte PDF lediglich ein aufwändiger Zwischenschritt hin zur digitalen Publikation darstellt, und plädieren dafür, direkt auf Online-Reporting zu setzen.

Handlungsempfehlungen MDD

Eine intelligente «User Journey» ermöglicht, die unterschiedlichen Interessen aller Stakeholder-Gruppen und die Pflichtinhalte auf smarte Weise miteinander zu verbinden. Teilen Sie beispielsweise Berichtsinhalte über die Social-Media-Kanäle des Unternehmens und binden Sie das Reporting fest in die Unternehmenskommunikation ein.

Die «User Journey» lässt sich durch Analyse-Tools auswerten und für die Optimierung der Berichte nutzen. Stellen Sie damit sicher, dass Sie die gewünschten Stakeholder erreichen, erfahren Sie, welche Inhalte besonders interessieren und welche digitalen Formate Anklang finden.

3. Schlüsselerkenntnis: Ziele der Berichterstattung (Trend)

Frage: Wie bedeutend sind für Ihr Unternehmen die folgenden Ziele des Geschäftsberichts – und inwiefern wird deren Bedeutung in den nächsten drei Jahren eher zu- oder abnehmen?

Trendeinschätzung CCR

«Vertrauen in Nachhaltigkeit und die langfristige Perspektive steigern» ist das Ziel mit dem grössten Bedeutungsgewinn im Vergleich zum Vorjahr. Nachhaltigkeit beherrscht nicht nur den gesellschaftlichen Diskurs, sondern durchdringt auch den Unternehmensalltag und erregt im Rahmen des Geschäftsberichts zunehmend Aufmerksamkeit. Rund drei Viertel der Unternehmen haben die für ihr Geschäft relevanten Nachhaltigkeitsthemen identifiziert. Doch nur rund die Hälfte informiert über langfristige Zielsetzungen sowie erzielte Fortschritte. Um das Vertrauen der Stakeholder langfristig zu sichern, ist es aber gerade wichtig, nicht-finanzielle Kennzahlen transparent und nachvollziehbar auszuweisen.

Erkenntnis MDD

Wir beobachten bei unseren Kunden zunehmend, dass auch nicht-finanzielle Kennzahlen durch die Verantwortlichen der heutigen finanziellen Daten erhoben werden. Dies führt zu einer systematischen Datenerhebung. Diese Entwicklung ist auch bei der Berichtserstellung, dem Erstellungsprozess und der Publikation zu beobachten. Firmen publizieren zunehmend ihre nicht finanziellen Ziele integriert und/oder den Nachhaltigkeitsbericht zeitgleich mit dem Geschäftsbericht.

Best-Practice-Beispiele

Am Geschäftsberichte Symposium 2020 wurden viele wertvolle Inputs zu Nachhaltigkeits-Trends geteilt. Hier zwei Beispiele:

  • Der Group CFO von Adecco, Hans Ploos von Amstel, zeigte auf, dass durch die Berichterstattung von Nicht-finanziellen-Kennzahlen das langfristige Vertrauen von allen Stakeholdern gesteigert werde.
  • Cora Olsen, Global Lead Integrated Reporting von Novo Nordisk, betonte, dass es vielmehr darum geht, wirklich nachhaltige Business-Modelle zu entwickeln und die Berichterstattung zum Thema Nachhaltigkeit allein nicht ausreicht, um Glaubwürdigkeit zu schaffen.
Erhalten Sie einen Überblick des Geschäftsberichte-Symposiums im Best-of-Film.

Weiterführende Informationen zum Corporate Reporting Monitor

Die Erhebung 2020 wurde erstmals um eine Befragung ausgewiesener Experten aus der DACH-Region ergänzt, um deren Wissen und Trendeinschätzungen zugänglich zu machen. Jährlich wird in der Studie ein Fokusthema besonders beleuchtet. 2020 widmet sich der Sonderteil dem Thema Nachhaltigkeits-Reporting.

Ein Executive Summary der Studie ist auf Anfrage erhältlich: [email protected]

Das Schwerpunktthema «Nachhaltigkeits-Reporting» wurde durch das CCR in verschiedenen Interviews mit BASF, Lenzing AG und Swiss Prime Site vertieft.

Gelangen Sie direkt auf die Übersichtsseite des CCR zum Corporate Reporting Monitor

Ihr Kontakt für Fragen zum Thema Online-Reporting

Fabio Negro
COO
E-Mail [email protected]
Telefon +41 58 810 12 12